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DreiherrenSpitze-Picco dei tre Signori , 2 Tage

Über das Ahrntal nicht einfach zu erreichen - dafür aber einsame und herrliche Umgebung

Dauer: 2 Tage
 
Wilder Freiger und Picco dei Tre Signori/Dreiherrenspitze 3499M

oder

Begegnung mit Engel und Teufel in Süd-Tirol

September 2006, Axel7

Das schöne am walk&fly ist nicht nur das Erlebnis in der Natur und mit dem Fliegen – Salz in der Suppe sind da auch die Menschen und Charaktere, die auf den Wegen, Hütten, Gletschern und Gipfeln so unterwegs sind – alles andere als langweilig und immer für Überraschungen gut. Die meisten sind eigentlich wie die Berge und Täler selber – sehr unterschiedlich und auf keinen Fall durchschnittlich – im Gegenteil sehr interessant. In diesem Sinne auch der Titel dieses spätsommerlichen Fliegerausflugs.

Klar wollte ich dieses Jahr noch einmal einen zweiten Ausflug in die Berge wagen – also auf die Lauer gelegt, entscheidend sind ja wieder Wind und Wetter.

Den Engel traf ich zuerst und das ging so.
Der Wilde Freiger war mein Hauptziel und hatte sich an diesem perfekten Spätsommerwochenende von seiner besten Seite gezeigt. Die walk&fly Tour im Ridnauntal gelang wie bestellt. Vom Schaubergwerk in Maiern zum Becherhaus in 5,5 Stunden war Ausdauersport, aber das letzte Stück ist schon ein wenig eine Konditionsquälerei. Die Zeit nenne ich deshalb so genau, da der Hüttenwirt (übrigens auch Gleitschirmflieger mit forschem Mundwerk), ein junger sportlicher, das als erstes fragte und kommentierte mit – „is nur Schnitt“ – die schnellen gehen in 3,5 - 4 – na super, das baut auf. Na ja , wer die Saison auf 3200 Metern lebt, hat halt anderen Kraftstoff in den Adern und ich bin ja auch zum genießen hergekommen. Ist ja auch immer wieder schön als Wirt auf der super hohen Terrasse zu warten (3200Meter NN) wie die Gäste auf den letzten Metern, sozusagen im Endspurt, noch einmal so richtig alles geben müssen und dabei deutlich abgespannt wirken – in jedem Fall aber erst einmal „kleinlaut – bescheiden“ sind, unabhängig davon mit welcher „Klappe“ derjenige im normalen Leben ausgerüstet sein mag (Übrigens, seinem Beispiel folgend, mit einem Bierchen in der Hand an selbiger Stelle die nachkommenden Bergsteiger lässig, aufmunternd begrüßen hat auch was – ein wenig kann man die Spur Schadenfreude ja auch genießen, umso mehr als man die andere Seite ja auch ausgiebigst erfahren hat).


Die wirkliche Steigerung kam dann gleich darauf in der Stube des Becherhauses, in der Vorfreude auf das wohlverdiente Weizenbier. Hinter der Tür kommt mir in Socken, und nur wenig mehr, quietschfidel ein blondes „Stöppkes-Mädel“ entgegen (so um die 50cm) – Halluzination – Höhenkrankheit - Fata Morgana – bin ich schon im „Erschöpfungshimmel“ angekommen und bekomme vom Engel die erste Einweisung ins „Hosianna“ oder was? Ist sie vom Himmel gelandet oder etwa auch hochgelaufen – nein weit gefehlt – sie wurde vom „Storch im Tal gebracht“ und anschließend im Rucksack hoch getragen – und das im zarten Alter von 11 Monaten. Ist mir einfach noch nicht passiert, so auf 3200 Metern – ich möchte gar nicht erst nachrechnen, in welchem Alter ich das erste Mal auf einer ähnlichen Höhe war. Wie sich herausstellt ist es die Tochter des Hüttenehepaars. Kein Thema, sie sei bereits die ganze Saison hier oben. Vorteil sie bekommt keine Kinderkrankheiten (wie auch, da keine Ansteckungsgefahr) – Nachteil, der Auslauf ist überschaubar sowie fehlende Altersgenossinnen. Für den Laufstall draußen gibt es nur die kleine Terrasse sowie den Heli-Podest. Die Stimmung war prima – ist in jedem Fall rekord-verdächtig. Muss sich Süd-Tirol jedenfalls bezüglich der Nachwuchs-Bergsteigerinnen keine Sorgen machen – den Holz-Kamin drinnen, ganz allein ihr Revier, hat sie jedenfalls schon voll im Griff.

Das Becherhaus selbst, auf dem Bergkamm gelegen, ist schon eine Besonderheit. Wie so eine Art Götterthron - nach Osten der Blick auf die gelb-roten Felsen im Abendlicht und in westliche Richtungen ein einziges, riesiges Eisfeld. Im Dunkeln dann der Sternenhimmel von irrsinniger Klarheit, selten sieht man die Milchstrasse so deutlich und fast zum greifen nah, da muss man kein Experte sein, die springt einem geradezu ins Gesicht – selbst der Mond kommt so tief aus dem Horizont aufgestiegen, dass er blutrot aufgeht bevor er gelb und weiss wird – übrigens von der Hüttenwirtin geschickt als Terrassenexkursion beim Abendessen in Szene gesetzt– wohltuendes Marketing eben auf 3200NN.
Eine Hütte übrigens mit eigener Kapelle für die damals 20/30 Bergführer und ihre vielen Touristen-Bergsteiger gebaut, um „sicherer“ unterwegs zu sein. Das ganze Haus wurde 1906 praktisch die 2000 Höhenmeter in Einzelteilen nach oben getragen – allein der Küchenherd hatte 90 Kilo und wurde von einem einzelnen Mann geschultert. Hut ab – waren halt noch echte Kerle damals. Auch hier gilt – ein Gleitschirm macht sich doch da aus wie ein kleines Accessoire, so im Vergleich. Gerade auch bei der heutigen Diskussion um noch leichtere walk&fly-Gleit- und neuerdings auch Bergschirme (und dem feilschen um 1-2 Kilo) zum hoch tragen - da würden die damaligen Kollegen wahrscheinlich nur etwas verschmitz grinsen und sich ihren Teil denken. Nur noch so einmal zum anschaulichen Vergleich – ein Herd entspricht 4-6 älteren Gleitschirm walk&fly Packsack-Einheiten (mindestens !) – Freiwillige ? Der Hüttenwirt wäre dann jedenfalls mächtig beeindruckt.

Einiges von der Mentalität aus der damaligen Zeit hat er klar in seinen Genen konserviert, weil:
Am Morgen beim verabschieden dann noch zwei letzte, kurze Ratschläge von ihm – „beim nächsten Mal bringst Du aus dem Tal noch anständig Feuerholz mit – das geht uns immer schnell aus – Dein Rucksack wiegt doch nichts – ähem (wie sich Begrüssung und Verabschiedung doch ähneln) – sowie - pass beim Start auf, ich habe heute morgen keine Zeit, Dich aus den Felsen zu kratzen – (wie ich den Pragmatismus der Berg`ler doch liebe)“. Sollte hier nicht falsch verstanden werden – die Hütte und das Team war mit allem drum und dran einfach klasse – sehr empfehlenswert.

Vom Becherhaus ist es dann nur eine kurze halbe Stunde und schon steht man ausgeruht am Gipfelgletscher zum Abflug in die Morgensonne bereit. Da der Gletscher im oberen Teil sehr flach ist, muss man schon deutlich Gas geben um abzuheben (Start SSW) – die überraschend auftauchende, nächste Tourengruppe um die Felsecke herum, wird dadurch etwas enger angeflogen, um dann nach Osten über die Scharte wie geplant abbiegen zu können – also ein Verkehr ist da – wie Samstag „beim Shoppen auf der Kö in Düsseldorf“ (sie haben sich sichtbar deutlich nach unten gebeugt – ähnlich überrascht wie ich es war – an dieser Stelle darum auch nachträglich noch die Bitte um Vergebung, aber um den Felsen und die Ecke herum waren sie leider vorher nicht einsehbar. Werde beim nächsten Startcheck ein kräftiges und herzhaftes – „Bahn frei!?“ - mit einbeziehen).
Ein herrlicher Flug über 2000 Höhenmeter mit kurzem Abschiedsgruss dicht vorbei an den Fenstern der Becherhütte nahm seinen Anfang. Der leichte Dunst weit unter mir und nur die Erdkrümmung markiert dann das Ende der Fernsicht oder löst sich im Blau auf. Lässt sich schwierig ausdrücken, muss man sehen und erleben.

Den Abgleiter oder besser Panoramaflug kann man auf ein paar Arten beschreiben, langweilig ist er nie. Auf dieser Tour ist er kurz zusammengefasst: weiss-türkis-blau-gelb-orange-grün. Etwa fünf Minuten weiss über den Gletscherzungen, gefolgt von den türkisblauen Gletscherseen, dann sehr unwirtliche, gelbe Gesteinslandschaft, die nach unten immer rötlicher wird, bis ganz zum Schluss und praktisch erst am Talboden endlich das saftige Grün kommt. Und parallel taut man von etwa +5 bis auf +25C auf um auf den letzten Höhenmetern die frisch gemähten Wiesen zu riechen, für die Ohren absolute Stille oben und erst unten dringen die Geräusche der Mäher oder wenigen Autos durch. Ein Flug für alle Sinne und dabei sitzt man wie zu Hause im Sofasessel – absolut ruhig. Es würde mich sehr ernsthaft einmal interessieren wie ein Blinder mit seinen viel schärfer ausgeprägten Sinnen einen solchen Flug wahrnimmt und beschreibt – er kann es sicher viel besser.

Nach der Landung dann die Frage, was tun mit den mitgebrachten 1,5 Tagen „Wetterbackup Wilder-Freiger“ in diesem „Riesen-Hoch“, dass sich, selten genug, über den gesamten Alpen, vor allem aber Ost-Alpen ausgebreitet hatte? Höre ich da den „Becherhauswirt“ mit seinem süd-tiroler Hang zum Understatement – also das ist doch bestenfalls eine Tour zum „Aufwärmen“ gewesen! Wird man als „Flachlandtiroler“ doch schon richtig frech – oder ? Noch dazu der 11-monatige Stöppkes-Engel auf 3200NN – das kann man doch selbst zu Hause im Ruhrgebiet beim besten Willen nicht als „sportliches“ Hochtour-Wochenende“ verkaufen !

Na und so kam ich dann in die Nähe des Teufel´s.
Den ganzen Tag noch vor mir - beschloss ich ins Ahrntal zu fahren, gerade um die Ecke gelegen, schon immer von Interesse, da auf der Südseite der Zillertaler und Tauern gelegen, die ich vergleichsweise gut kenne. Deren Rück- oder besser Südseite aber eben nicht – die Neugierde war der Auslöser – also schau´n wir doch mal, was da an Zugabe noch möglich ist – natürlich nur soweit die Füsse tragen – an Bergen ist hier ja kein Mangel. Manchmal würde ich ja gerne zwei, drei dieser Kaliber in´s Bergische Land verfrachten (das ist in Nord-Rhein-Westfalen das Alpenpendant), dann wäre die Anreise nicht so weit (;-))) und das Training einfacher.

Bei der Fahrt durchs Ahrntal spürt man mit jedem Kilometer mit dem das Tal enger wird und sich dem Talende nähert die Abgeschiedenheit an der jedenfalls die heutigen Verkehrsströme recht weit entfernt vorbeilaufen – hier steht die Welt noch stiller als anderswo. Früher vom Kupferbergbau gelebt, hat man sich heute klar der Tourismusquelle gewidmet ohne dass der Charme des Tals und seiner Zurückgezogenheit sowie Einsamkeit dabei geschadet wurde.

In Kasern schlussendlich befindet sich dann der Parkplatz, an dem die Wanderer sich sammeln und das weitläufige Talende bis zur nächsten „Einkehr“ bevölkern. Vom Parkplatz weg marschiert man also erst durch den Abschnitt und die Heerscharen der „Flanierer und Einkehrer“, dann kommen die „Nordic Walker (also die, die das Laufen, mit viel Enthusiasmus, noch einmal neu lernen durften) und Flachwanderer“, gefolgt von den Bergwanderern und Bergsteigern – proportional nimmt natürlich die Menge zum Ende hin deutlich ab – hier gab es wirklich das ganze Spektrum, vom Jahrmarktambiente bis zum Einsiedler-artigen „Bergbrödler“. Interessante Typen sind dort unterwegs – jedenfalls wird es beim vorbeilaufen auf keinen Fall langweilig.

Übrigens ist der Gleitschirmrucksack ausgesprochen kommunikativ – immer wieder wird man darauf angesprochen – „was ist denn da drin - Luxus-picknick – Südpolausrüstung – Fuss-Rickscha – viel Wochen Berg-Tour“ und ähnliches.
Auch hier verfehlt der Rucksack seine Wirkung nicht – noch in dem ersten Segment der Flanierer unterwegs – tönt es aus einer Damengruppe in breitestem sächsisch – „na das Modell ist aber schwer bepackt und zügig unterwegs – könnte mich doch glatt zur Hütte hochtragen“ (ich habe das mal auf hochdeutsch übersetzt – sinngemäss jedenfalls, da ich diese Fremdsprache nur teilweise verstehe). Also normalerweise bin ich ja um Worte nicht verlegen, aber bei 8 Mädels, um die 50 Jährchen alt, aus dem tiefsten Sachsen, ist man natürlich chancenlos – also freundlicher Gruß zurück – „ich reserviere schon mal die Plätze für euch da oben – ihr kommt doch auch Mädel´s oder ?“ - und weiter geht’s.


Vom Parkplatz bis zur Birnlückenhütte sind es angenehme 2,5 Stunden, die sich über 7 Kilometer hinziehen – am Ende im Talkessel dann der steile serpentinenähnliche Abschluss zur Hütte hinauf. Auf dem Weg nach oben wird einem klar wie geschichtsträchtig diese Wege gewesen sein müssen. Der Weg zur Hütte ist fast ausnahmslos mit viel Mühe in alter Zeit gepflastert worden. Ein alter Tauernweg also – Tauern steht ja für Tor oder Pass. Seit der Bronzezeit oder Ötzizeitalter, aber sehr intensiv im Mittelalter sollen diese Wege aus den unterschiedlichsten Gründen heraus begangen worden sein – vom Salztransport über Schmuggel bis hin zu Fluchtwegen war wohl alles vertreten, inklusive „Nutzung als Wanderweg des Teufels“, wie ich später lernen sollte – da ist doch der Gleitschirm immerhin ein neuer Aspekt. Mit was die wohl in 500 Jahren da hoch gehen werden, sofern man in 500 Jahren überhaupt noch „geht“, oder gehen kann?

Dort oben an der Birnlückenhütte hat man gerade für das Ende des Tages einen angenehmen Logenplatz – nach Norden die Zillertaler, nach Osten die Birnlückenscharte mit kleinem Eisfeld als Verbindung zur Venedigergruppe, nach Süden die Dreiherrenspitze und nach Osten das Ahrntal, genau richtig für den Sonnenuntergang mit Hefeweizen.
Na ja und da sitzt man nun, genießt die Landschaft und ist weiteren Versuchungen ausgesetzt um den morgigen Tag mit einem Tourenplan zu füllen. Am späteren Nachmittag kommen die Tourengänger dann aus allen Richtungen und füllen die Tische – von der Krimmler Tauernscharte, dem Lausitzer Weg, der Birnlücke und schlussendlich auch der Dreiherrenspitze. Wunderbar sei es da oben gewesen, recht einfach zu gehen, der Gletscher aper, die Spalten leicht zu identifizieren und zu umgehen - große Begeisterung schwingt da mit. Hmm, das war die erste Kerbe – oder soll ich sagen der Anstoß, so ein erster Ruf des Berges, jedenfalls war der erste Appetit wieder geweckt!
Vielleicht sollte ich ja doch dem Gipfel eine Chance geben und mich noch einmal anstrengen, obwohl eigentlich nur noch so ein „klitze kleiner Nachschlag“ geplant war.
Der Name der Dreiherrenspitze lässt sich nicht eindeutig ableiten. Fragt man die kirchlich orientierten dann kommt es von den „Drei Herren von Heilig´Geist“ (die Dreifaltigkeit) – fragt man den politisch orientierten, dann kommt es von der Zeit als die Gebiete dreier Herren, nämlich der Grafen von Görz und Tirol sowie dem Bischof von Salzburg hier zusammenstießen.
Netter Besitz übrigens die damaligen Ländereien, da braucht es schon einen Streckenflug von Gartenzaun zu Gartenzaun um den Bereich abzufliegen – sollen ja auch in der damaligen Zeit nicht gerade Kinder von Traurigkeit gewesen sein.

Am Abend dann beim Essen saß ich mit dem Hüttenwirt zusammen und besprach auf seine Frage hin die Möglichkeiten. „Also die Dreiherrenspitze ist wirklich vergleichsweise einfach zu gehen – es sind drei weitere Kollegen, eine Seilschaft und ein Einzelgänger unterwegs – da müsste ich nur hinterher und wenn es zu anspruchsvoll würde, könnte ich ja umkehren“. Tja und das war dann die zweite Kerbe, die am tiefsten saß. Gerade auf dem Gletscher und mit Gleitschirm geht man ja mehr über einen überdimensionierten Startplatz mit vielen Möglichkeiten – nur für den Fall, dass man eher zurückfliegen will oder muss.
Von einem unterhaltsamen, etwas betagteren und beleibteren Kölner in einer lustigen Runde beim Abendessen kam dann die dritte Kerbe – ich zitiere – „solange Du Dich nicht mit dem Teufel einlässt, kannst Du die Tour gut machen“ (leider lässt sich der Dialekt hier nicht analog wiedergeben, ich musste als Düsseldorfer dreimal nachfragen, was er als Kölner sichtlich genossen hat, versehen mit den entsprechenden despektierlichen Witzen natürlich - was will man machen – Kölner eben, mit dem Anliegen die Hütte zum lachen zu bringen – ziemlich erfolgreich im übrigen) – er allerdings keine Ahnung von hochalpineren Touren, dafür aber bewandert in den Sagen des Ahrntals:
„In der Sage liess sich ein Prettauer Schütze mit dem Teufel ein. Er ging aus dem Ahrntal über die Tauern nach Krimml zum Preisschiessen, da ein wunderbarer Ochse zu gewinnen war. Auf der Scharte befand sich ein hölzerner Jesus am Kreuz. Der Schütze wurde vom Teufel überzeugt ein Übungsschiessen zu veranstalten – mit drei Schüssen traf er. Mit der Hilfe des Teufels gewann er auch Preisschiessen und Ochse, worauf er sich voller Stolz auf den Heimweg machte. Beim vorbeilaufen am durchschossenen Kreuz wurde der Ochse wild und tötete den Schützen.“
Seitdem hängt das Kreuz in der Heilig Geist Kirche unweit des Landeplatzes bei Kasern und alljährlich findet deshalb eine Prozession statt.

Na ja, auf diese Weise mental gestärkt sollte man also in jedem Fall auf dem Pfad der Tugend bleiben, keine übermütigen Gletscherabwege oder ähnliche Spirenzchen, da sollte es dann doch eine gute Chance fürs Gelingen – hoch laufen und runter fliegen - geben – oder?

Am nächsten morgen dann um sieben Uhr los – in den klar erkennbaren Spuren der vielen Tourengruppen in einer Stunde bis zur Scharte an der man den „Gletscher wechselt“, vom Prettaukees hinüber zum Lahnerkees und in der Tat – so spät im Jahr sind die Gletscherspalten sehr gut zu erkennen und zu umgehen, ein klarer Vorteil so spät im Jahr. Eine weitere Stunde bis zur steileren Schneerampe – spätestens hier sind die Steigeisen unentbehrlich, und dann insgesamt in 3,5 Stunden nach oben. Sehr angenehm und landschaftlich spektakulär zu gehen, besonders wenn auf den letzten 50 Höhenmetern dann endlich der Blick über den Grat nach Süden bis in die Dolomiten frei wird. Ein Gefühl als ob man bis Süd-Italien schauen könnte. Auf dem vergleichsweise flachen Gletscherfeld geht es dann wie im Spaziergang zum Gipfel.

Dieser westliche Eckpfeiler des Tauern-Hauptkammes ist einer der schönsten Ostalpenberge und zugleich der höchste Gipfel des Ahrntals.
Oben angekommen ist der Rundum-Blick einfach genial – Tauern, Grossvenediger , Kleinvenediger und Grosser Geiger als Venedigergruppe mit ihren Gletscherströmen etwas näher dran, Zillertaler, Dolomiten, Stubaier dann in immer weiterer Ferne und nicht zu vergessen ganz weit unten die saftig grünen Wiesen am Boden der Täler, wirklich nicht schlecht.

Der Moment des oben Ankommens ist auch immer wieder einmalig, dieser Gegensatz zwischen Muskelschmerz, Kurzatmigkeit sowie dieser „gefühlten Leichtigkeit“ – ist der Rucksack erst einmal abgesetzt glaubt man fast ohne Schirm fliegen zu können so groß ist die Erleichterung im ersten Moment – verbunden mit Erholung und Genuss dieser beeindruckenden Natur ergänzt um eine kleine Brotzeit – einfach klasse.

Es lohnt sich wirklich lange auf das passende Wetterfenster zu warten, umso schöner ist dann auch der Genuss dieses Augenblicks. Auch das Hochlaufen gehört einfach dazu – würde man „hoch gegondelt“ würde man sich schon Tage später an das Erlebnis nicht so erinnern können. Der „Film“ im Hinterkopf abgespeichert, lässt sich auch lange nach der Tour noch aktivieren und hilft damit natürlich auch über die nicht mehr allzu ferne Wintersaison.

Interessant auf dem Gipfel auch das „Gipfelkreuz“. In diesem Fall eine Metallpyramide mit kleinem Kreuz auf der Spitze – sieht wirklich schön und auch einmal wohltuend modern aus.

Das Gletscherplateau unterhalb des Gipfels lässt wirklich viele Startrichtungen zu. Von Süd-West bis Nord-Ost sollte im Uhrzeigersinn alles möglich sein. Nur Vorsicht bei zuviel Wind – ins Ahrntal hinunter fliegt man vergleichsweise nah an den Bergkämmen entlang so dass eine Leefalle ausgeschlossen sein sollte.
Meine Startrichtung wurde Süd-West, ein schneller Startlauf, der Schirm in dem leicht geneigten Gelände hebt mich ein bis zwei Meter aus, dann abfliegen des Ost-West-Grates in niedriger Höhe für vielleicht 100 Meter, ein letzter Blick auf die Dolomiten nach Süden und dann nach Nord-Ost ins Ahrntal abgebogen – ich liebe diese Gletscherstartplätze – einfach spektakulär.
Aber dann, was war das denn? Das Fliegen fühlte sich sehr seltsam an - irgendwie trug der Schirm heute nicht – es war wie verhext, so etwas hatte ich bis dahin noch nicht – der Schirm zog auch ungewöhnlich stark nach rechts – konnte mir da einfach keinen Reim darauf machen – die Kappe sah einwandfrei aus. Über dem Gletscherverlauf dann deutlicheres Sinken und im Ahrntal ein wenig Gegenwind – sollte ich doch noch zurücklaufen müssen? An den Südhängen des Ahrntals, schon ziemlich tief fand ich dann etwas Thermik und schlich sehr hangnah, mit „Nullschiebern“, in Richtung Kasern. Wie das Wetter, oder was auch immer es dann wollte – in der Nähe der Heilig Geist Kirche – also auch Endstation der Sage – kam es dann zur sicheren, etwas zu frühen Landung. Beim zusammenpacken bemerkte ich dann aber doch noch das „Teufelswerk“ – beim Abflug hatte ich den Schirm an einer Stelle leicht über einen, wohl zu scharfkantigen, Stein gelegt um ein Abrutschen auf dem steileren Eis zu verhindern (klar, sollte man nicht tun) – beim Start ist dann eine Zelle, für mich nicht sichtbar, an der Schirmoberseite, wie ein Konservendosendeckel, nach hinten deutlich aufgerissen und hat, mit dem resultierenden fehlenden Flügelinnendruck natürlich, das Flügelprofil verändert. Für jede Sünde wird dort eben umgehend bezahlt. Also aufgepasst an der Teufels-Sage scheint wirklich etwas dran zu sein. Dafür entschädigt dann aber auch die einzigartige Naturumgebung. Die Tour jedenfalls kann ich nur empfehlen.
Mit diesem Ausflug war für mich damit auch die Saison beendet – der Schirm musste erst einmal in den Check und genäht werden – mit Kleben war da nichts mehr zu machen. Kein Problem, mein Freund der Muskelkater war auch einverstanden.

Beim Hüttenwirt habe ich mich später noch telefonisch für die „Verführung“ auf die Dreiherrenspitze bedankt – er meinte dann noch, dass der Flug auch eine Premiere war – ich sollte doch mit weiteren Fliegern einmal wiederkommen, „oft zeige sich der Teufel nicht“ – klar – warum nicht.

Unterkunft: Birnlückenhütte
Anfahrt: Brenner, Ahrntal, Kasern, Birnlückenhütte

Paragliding Reise Bericht Europa Italien Trentino-Südtirol,DreiherrenSpitze-Picco dei tre Signori,das Tal - mehr Landewiese geht nicht
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das Tal - mehr Landewiese geht nicht
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grosszügiges Startfeld

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